NACHTRAG: Drei sauer verdiente Punkte beim siebten Saisonsieg der U19 im siebten Ligaspiel, die Berolina schlägt den NFC Rot Weiß mit 6:4

Mit halbstündiger Verspätung begann eine denkwürdige Partie. Der angesetzte Schiedsrichter war nicht erschienen und da sich auch kein anderer fand, mussten die Trainer ran. Zunächst klappte das auch. Im Verlauf der ersten Hälfte begannen einige Spieler der Gästemannschaft allerdings, bei jedem Körperkontakt einen Freistoß wegen Rempeln oder Schieben zu fordern. Aber auch einige Stralauer konnten sich nicht mit der Linie des Schiedsrichters anfreunden, viel laufen zu lassen, immer den Vorteil abzuwarten und im Zweifel auch dann im Sinne des Spielflusses zu entscheiden, wenn ein „Klappern“ zu vernehmen war, der getroffene Spieler oder ein Mannschaftskollege die Aktion aber sichtbar fortsetzen konnte. Im Nachgang gesehen, mag das ein Fehler gewesen sein. Die Idee auf diese Weise die Diskussion von Schiedsrichterentscheidungen zu meiden, schlug im Verlauf des Spiels ins glatte Gegenteil um.
Spätestens, als ein Spieler der Rot Weißen von rechts versuchte in den Strafraum der Stralauer einzudringen und dabei gleich durch drei Gegenspieler hindurch wollte. Da er sich den Ball etwas zu weit vorlegte, bekam Nico Teichert die Chance den Fuß rein zu stellen. Gegen den Ball wohlgemerkt, nicht gegen ein Bein. Der anschließende Pressschlag sorgte für eine schwere Verletzung des Spielers vom NFC, der sofort ausgewechselt werden wollte, weil sein Knie komplett kaputt sei. Nach einer Spontanheilung wiederholte sich dieser Vorfall mit dem gleichen Spieler kurz vor dem Halbzeitpfiff deckungsgleich im Mittelkreis. Alle Appelle an die Spieler vor dem Anpfiff jedenfalls, es den Trainern, weil um faire Spielweise bemüht, leicht zu machen, waren nunmehr vergessen und im sicheren Gefühl der Benachteiligung begannen insbesondere die Gäste immer zielstrebiger ihre Gegenspieler statt den Ball zu bearbeiten. Der Attacken mit Händen und Unterarmen wegen, oder nach klarem Foul in die Beine der Stralauer, bekamen diese nun immer mehr Freistöße zugesprochen, was bei den Spielern und Betreuern des NFC die Wahrnehmung noch verstärkte, ungerecht behandelt zu werden.
Fussball wurde aber auch gespielt. Bis zur Halbzeitpause hatte sich Bero 11 Torgelegenheiten erarbeitet, davon wenigsten drei Hochkaräter, und zweimal getroffen. In der 12. Spielminute staubte Wenzel Veltmann ab, ganz klar entgegen der Wahrnehmung der Gäste nicht im Abseits. In der 44. Minute erzielt Tom das überfällige 2:0 mit einem plazierten Flachschuss aufs kurze Eck. Besonders schön war dabei anzusehen, dass Bero aus allen Mannschaftsteilen Druck aufbaute und sich die Defensivspieler immer wieder gefällig in die Angriffe einschalteten. Auch die zahlreichen guten Kopfballmöglichkeiten im gesamten Spielverlauf fielen auf. Zwei oder drei Lässigkeiten gaben aber auch den Gästen die Chance zum Abschluss, ohne dass sie dabei wirklich Gefährliches aufs Tor brachten.
Beim Pausentee nahmen sich die Hausherren vor allem zwei Dinge vor. Erstens die Feldüberlegenheit und die zahlreichen Torgelegenheiten in Ergebnis zu übersetzen. Immerhin spielen alle lange genug Fussball, um zu wissen, mit klarer Gestaltung des Ergebnisses nimmt man jeder Mannschaft die Spiel- und Lauffreude. Für Mannschaften mit vielen türkischstämmigen Spielern gilt das erst recht. Zweitens war der Plan, den zu erwartenden Nickeligkeiten mit mentaler Stärke zu begegnen.
Was dann tatsächlich geschah, machte einigermaßen fassungslos. Wenige Sekunden nach Wiederbeginn spielen die Platzherren den Ball zum eigenen Torwart. Zwar fordern die Stralauer Trainer den Spielaufbau immer wieder auch über geordnete Rückwärtsbewegung zu gestalten, jedoch nicht dabei den Ball zu vertändeln. Der Gästestürmer sagt danke und es steht 2:1. Nur eine Minute später treibt der nun natürlich mutige NFC schon wieder das Spiel gegen unsortierte Stralauer nach vorn. Der Ball läuft diagonal durchs Halbfeld, vorbei an einem Spieler im klaren Abseits, auf unsere linke Abwehrseite. Dort kreuzt ein Gästespieler nach innen und verwandelt zum Ausgleich. Im Moment des Querpasses war der Stralauer allerdings dran am späteren Torschützen und erkannbar wenn auch knapp dahinter. Kann also nur Abseits gewesen sein. Zumal die Berolina bis dahin eigentlich fast jedes Laufduell für sich entscheiden konnte gegen Gäste, die vor allem dem jungen A-Junioren-Jahrgang angehörten.
Aber egal, wieder nur eine Minute später versucht Nico ein Zeichen zu setzen, klärt den Ball entschlossen und deutlich vor dem heranstürmenden Gegenspieler. Er sieht dennoch gelb und es wird fleißig diskutiert. Der anschließende Freistoß wird kurzgespielt und der Schuss von der Strafraumkannte landet in den Maschen, weil Bero nicht verteidigt. Kurz darauf fliegt dann Wenzel vom Platz. Er hatte wie alle anderen ein klares Handspiel eines Gästespielers im Mittelfeld gesehen und das laut kommentiert. Nach Ansicht des Schiedsrichters war das rotverdächtig und mit einer Zeitstrafe gut bedient. Zu zehnt schaltet Stralau dann endlich einen Gang hoch und ist nach Weckrufen von Philipp Nikolajewski mit einem Riesen in Minute 51 und dem Ausgleich von Felix Eichen aus der 54. Spielminute wieder Herr auf dem Platz.
Zwei Minuten später wird der linke Flügelspieler des NFC mit einem Steilpass aus dem Mittelfeld auf die Reise geschickt. Er steht deutlich im Abseits, ein Pfiff bleibt aus. Der Gästetrainer wollte den Grund dafür in der Antrittsschnelligkeit seines Spielers ausmachen. Erstaunlich war das deshalb, weil unser Verteidiger den zunächst deutlichen Vorsprung seines Gegners auf der Innenbahn fast noch abläuft, weshalb Keeper Totti beim Rauslaufen zögert und mit Distanzschuss aus halblinker Position überwunden wird. Das Spiel drohte nun endgültig aus dem Ruder zu laufen und nahm irreguläre Züge an. Der eine oder andere Stralauer brauchte die Ermahnung von außen, sich aller Widrigkeiten zum Trotz auf die eigene fußballerische Qualität zu besinnen und mit Toren die passende Antwort zu finden.
Der Druck, den die Berolina nun erneut aus allen Mannschaftsteilen aufbaute, machte aber zuversichtlich, dass der Sieg zu erzwingen ist. Nicht von ungefähr also besorgte unser Sechser Jaron Lehning mit seinem ersten Saisontor den hochverdienten Ausgleich in der 64. Spielminute. Es ging jetzt nahezu ausnahmslos in Richtung Gästetor, die Hausherren erarbeiteten sich beste Möglichkeiten im Minutentakt. Es dauerte aber noch bis zur 73. Minute, bis Felix die erneute Führung erzielte. Ein Abwehrspieler der Rot Weißen prügelte den Ball in höchster Not aus dem Fünfmeterraum, trifft dabei den Rücken seines Mitspielers. Da Felix im Moment des Klärungsversuches der Gäste abseits stand, hätte der Treffer nach der Regeländerung vom Anfang dieser Saison eigentlich keine Anerkennung verdient. Bero diesmal im Glück, was in dieser Halbzeit die Ausnahme bleiben sollte.
Denn unmittelbar danach flog der bereits verwarnte Nico für 5 Minuten vom Platz. Er hatte sich zu Schulden kommen lassen, den Ball deutlich vor seinem Gegenspieler zu erreichen, der seinerseits das Bein lang machte, aber vom körperlich völlig überlegenen Stralauer Innenverteidiger abprallte.
In der 85. Minute erlöste Indigo Barahona die Mannschaftskollegen und Anhänger und stellte hochverdient den alten Zweitoreabstand wieder her.
In der Schlussviertelstunde notierte der Trainer neben dem Treffer sage und schreibe 12 beste Gelegenheiten und damit den Rekord im bisherigen Saisonverlauf. Zwei reguläre Tore kurz vor Abpfiff von Tom und Wenzel wurden dabei wegen angeblichen Abseits aberkannt. Eine Minute vor dem Ende hatte der Schiedsrichter dann noch ein Einsehen und schickte endlich auch einen Spieler des NFC zur Denkpause mit Zeitstrafe vom Platz. Dem waren allerdings einige grobe Fouls und Aktionen am Rande der Tätlichkeit seitens der Gäste voraus gegangen.
Beros Junioren haben an diesem Nachmittag vieles richtig gemacht und sind nach dem zwischenzeitlichen Rückstand vorbildlich zurück gekommen. Sie müssen sich jedoch vorwerfen lassen, abseits der von ihnen nicht zu beeinflussenden Faktoren, haben sie sich durch eigene Unachtsamkeiten, durch mangelnde Chanceverwertung und durch einige überflüssige emotionale Reaktionen, das Leben selbst unnötig schwer gemacht. Die Erfahrungen dieser Partie sollten sie unbedingt mit ins Spitzenspiel vom kommenden Wochenende mitnehmen, Sonntag, 11:40 Uhr bei Anadolu-Umutspor. Dieses Spiel und die kommenden Partien gegen die beiden Gegner aus der oberen Tabellenhälfte werden die Nagelprobe und erweisen, was die Ergebnisse aus dem bisherigen Saisonverlauf wert sind.
Es liefen auf:
Totti
Tim Pätzel (80. Jakob Anton), Nico, Marvin Schmieglitz, Justin Musialek
Jaron Lehnig
Wenzel, Tom, Indigo, Philipp (80. Lycien Güttler)
Felix

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