Stralauer verzweifeln an Keeper Gunkel: 1:1 (0:1) gegen Hermsdorf II

Laskerplatz, 15. September 2013 – Der FSV Berolina Stralau muss sich gegen den VfB Hermsdorf II, wie schon beim letzten Aufeinandertreffen am Lasker, mit einem Unentschieden begnügen. Die Heimischen Rot-Weißen dominieren beim 1:1 (0:1) Ball und Gegner, scheitern aber immer wieder am überragenden Gäste-Schlussmann Gunkel. Am kommenden Wochenende treffen die nun schon seit 5 Spielen sieglosen Stralauer auf den Tabellenführer Wacker Lankwitz. 

Jeder Wettkampf, sei es nun auf geistigem, künstlerischem oder sportlichem Gebiet, ist überhaupt nur dann möglich, wenn er sich auf einer moralischen Grundlage abspielt, d.h. wenn die Regeln, durch die sein Verlauf vorgezeichnet ist, auf die Leistung jeder teilnehmenden Partei unabhängig und vollkommen gerecht angewendet werden. Das ist und bleibt das A und O eines jeden Wettbewerbs.

Nun ist das Schiedsrichteramt im Fußballspiel vielleicht das schwierigste sportliche Richteramt überhaupt. Man darf dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass es nur ein Mensch mit zwei Beinen und zwei Augen ist, der den oft recht heißen, manchmal gehässigen Kampf von 22 Akteuren, inmitten leidenschaftlicher Zurufe einer nicht immer sportlich wohlerzogenen Zuschauermenge, fanatisierter Klubanhänger und halbwüchsiger Krawallmacher unparteiisch und regelentsprechend leiten soll.
Es kann durchaus vorkommen, dass dabei ein Schiedsrichter einzelne Fälle übersieht, die eine oder andere Partei unbeabsichtigt benachteiligt. Freilich dürfen sich solche Fehlgriffe nicht häufen und ein Schiedsrichter, der vielleicht tatsächlich, vielleicht auch nur dem Anschein nach eine gewisse Voreingenommenheit für die eine oder die andere Mannschaft zeigt, ist überhaupt unmöglich.
Denn welchen sportlichen Wert hätte in einem solchen Fall das ballestrische Kräftemessen?

Doch der Reihe nach.

Berolina zeigte sich gut erholt vom unglücklichen Pokal-Aus bei Hertha 06 und ging am vergangenen Sonntag vor gut 100 Zuschauern von der ersten Minute an hochmotiviert und aggressiv im 4-3-3 zu Werke. Weber, zurück nach seiner Sperre, feierte sein Saison-, Neuzugang Philipps sein Startelfdebüt.

Berolina Herr im Haus
Keine 5 Minuten waren gespielt, als sich im Gäste-Fünfer turbulente Szenen abspielten: Einen Ott-Schuss kann Keeper Gunkel nur kurz abwehren und nach einem Gestocher um den Ball, an dem sich mehrere Spieler beteiligten, klärt ein Hermsdorf-Verteidiger auf der Torlinie liegend indem er den Ball mit beiden Händen unter Kontrolle bringt. Ein Pfiff ertönt, doch zur Verwunderung aller zeigt Schiedsrichter Jäger nicht auf den Punkt, sondern entscheidet auf Abseits.

Unbeirrt von dieser kuriosen Entscheidung dominierten die Stralauer in der Folge das Geschehen, bestachen durch mutiges und lauffreudiges Spiel, zeigten sich aber im Abschluss zu fahrig. Und sahen sich plötzlich einem Rückstand gegenüber: Nach einer Freistoßflanke aus dem Halbfeld kann Monazahian am langen Pfosten per Kopf unbedrängt querlegen und Kummer ebenso unbedrängt einköpfeln (30′).

Dennoch rollte das Spiel wie auf einer schiefen Ebene weiter in Richtung Hermsdorf-Tor.
Vor der Pause war es neuerlich Schiedsrichter Jäger, der mit zweifelhaften Entscheidungen auf sich aufmerksam machte: Erst wird Außenstürmer Wenzel vom Hermsdorfer Keeper Gunkel am Fünfer mit gestreckten Beinen attackiert und zu Fall gebracht, ehe es ihm ein Abwehrkollege gleich tut und kurze Zeit später den Stralauer Goalgetter im 16er neuerlich von den Beinen holt. Elfmeterpfiffe blieben aber jeweils aus.

Berolina drückt, Hermsdorf harmlos
Berolina diktierte auch nach der Pause das Geschehen.
Zwar kamen die Gäste sehr motiviert aus der Pause, das schlug sich in einem Kopfball von Monazahian nieder, der sein Ziel knapp verfehlte. Das sollte allerdings auch die einzige Offensivaktion der Hermsdorfer in Halbzeit 2 bleiben.

Berolina zelebrierte einen druckvollen Offensivfußball und nahm das Gehäuse von Keeper Gunkel – der sich mit Fortdauer der Partie in einen wahren Paradenrausch steigerte – aus jeder erdenklichen Position unter Beschuss. Dennoch dauerte es bis zur 67 Minute, ehe der Ausgleichstreffer fiel: Einen leichten Rempler im 16er der Gäste am Stralauer Kapitän Wohlfahrt bestraft Schiedsrichter Jäger, mit Blick auf Halbzeit 1 wohl kompensatorisch, mit Strafstoß. Abwehrchef Pütz lässt sich nicht zweimal bitten, und verwandelt souverän zum 1:1 Ausgleich (67′).

In der Folge erhöhten die Stralauer nochmals die Schlagzahl und erspielten sich Chance um Chance, jetzt fast im Minutentakt. Und erzielten auch einen Treffer durch den eingewechselten Friedrich (56′, für Ott), dem Schiedsrichter Jäger wegen einem angeblichen Foulspiel an Torhüter Gunkel jedoch die Anerkennung verweigerte.

Doch damit nicht genug an kuriosen Entscheidungen: Nach einem Strömel-Pfostenschuss aus spitzen Winkel, faustet der Hermsdorfer Kummer – auf der Torlinie sensationell rettend – den Friedrich-Nachschuss zur Ecke. Dass Kummer das gesamte Spiel über als Feldspieler auf der rechten Außenbahn agierte, schien Schiedsrichter Jäger dabei wenig zu irritieren.

Dank ihres überragenden Schlussmannes Gunkel überstanden die Gäste aus Hermsdorf auch die Schlussviertelstunde ohne weiteren Gegentreffer und wussten am Ende selbst nicht, wieso sie mit einem gewonnen Punkt die Heimreise antreten konnten.

Fazit
Die heimischen Rot-Weißen lieferten über die gesamte Spielzeit eine spielerisch überzeugende Leistung, dominierten den Gegner nach belieben, leiden aber nach wie vor an akuter Abschlussschwäche.
Wir spielen momentan richtig gut, da brauchen wir nicht viel zu ändern. Irgendwann platzt dann auch wieder der Knoten“, so Abwehrchef und Elferschütze Pütz nach der Begegnung, „vermutlich aller spätestens im nächsten Spiel beim Tabellenführer in Lankwitz.“

FSV Berolina Stralau – VfB Hermsdorf II 1:1 (0:1) Laskerplatz, SR Jäger
Tore: 0:1 Kummer (30′), 1:1 Pütz (67′, FE)

Aufstellung: Poßnien – Turtschan, Kimpinsky, Pütz, Philipps (67′ Strömel) – Weber, Niemann, Wallner (56′ Schindler) – Ott (56′ Friedrich), Wohlfahrt [C], Wenzel

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